Bei dieser
zweiten vorbereitenden Reise sollten in erster Linie die kommunalen
Entscheidungsträger aus dem gesamten Verbreitungsgebiet des Gobibären
zusammengeholt werden, um mit ihnen das Vorhaben, einer Errichtung eines
Schutz- und Informationszentrums für den Gobibären in Echin Gol, zu
diskutieren. Es sollten aber auch alle anderen Bemühungen und Vorstellungen zum
Schutz des Gobibären zusammengefasst werden, um den aktuellen Stand vor Ort zu
erkunden. Bisher fanden bereits internationale Workshops statt, dabei handelte
es sich jedoch ausschließlich um wissenschaftliche Veranstaltungen in der
Hauptstadt ohne Beteiligung der Bevölkerung vor Ort. Bei den Ergebnissen blieb
es dann im Wesentlichen auch bei wissenschaftlichen Berichten und Veröffentlichungen
z.T. mit Empfehlungen zum Schutz der Art aber ohne konkreten Anwendungsbezug.
Das sollte nun geändert werden.
Als Ziel
sollte nach dem Workshop eine mit allen relevanten Personen und
Verwaltungsstellen abgestimmte Vorgehensweise formuliert werden. Dabei sollte
zunächst ergebnisoffen auch über andere denkbare Schutzbemühungen diskutiert
werden.
Vorbereitungen und Anreise
In
Ulaanbaatar wurde der Workshop an der
Nationalen Universität vorbereitet. Das Programm erstellt und Referenten
gewonnen. Die Einladung der Teilnehmer vor Ort wurde von der Verwaltung des
Großgobinaturschutzgebietes mit Sitz in
Bayantooroi vorgenommen. Das Gobi-SPA erstreckt sich über 3 Aimaks (entspricht
in etwa einem Bundesland) mit 8 Somons (entspricht in etwa einem Landkreis).
Als Austragungsort wurde die Verwaltung in Bayantooroi gewählt, da sie relativ
zentral von allen Richtungen erreichbar ist, vor allem aber über die notwendige
Infrastruktur für solch eine Veranstaltung verfügt. Alle
notwendigen Materialien, außer Lebensmittel für den Workshop, mussten aus
Ulaanbaatar mitgebracht werden.
Die Anreise erfolgte mit zwei russischen
Geländebussen (Furgon). Neben den Referenten komplettierten studentische
Hilfskräfte und 2 Fahrer die Gruppe. Die Anreise (1.100 km) erfolgte über die
Aimakzentren Aivarheer und Bayanhongor. Von dort aus wurde der Altai überquert,
um Bayantooroi eine Oase in der Transaltaigobi zu erreichen. Um möglichst wenig
Zeit zu verlieren, wurde von frühmorgens bis spät in die Nacht gefahren. Am
späten Abend des 20.08. traf die Gruppe in Bayantooroi ein. Die
Workshopteilnehmer sollten dann einen Tag später eintreffen
Workshop/ Programm
Zunächst
wurden die Teilnehmer von dem Bürgermeister von Bayantooroi begrüßt. Weitere
Grußworte bzw. Kurzvorträge überbrachten Herr Dorjraa (Sekretär der
Artenschutzkommission am Mongolischen Umweltministerium), der auch die weitere
Moderation übernahm, Herr Dr. Mijiddorj (Direktor Schutzgebietsverwaltung
Gobi-SPA), Hr. Hotzy (LBV) und Prof. Dr. Samjaa (Vizepräsident der Nationalen
Universität).
Es folgten Fachvorträge über den derzeitigen Wissensstand zum
Gobibären: - Dr.
Amgalan (Akademie der Wissenschaften der Mongolei): Aktueller Forschungsstand
über den Gobibären
-
Prof.
Dr. Samjaa (NUM): Naturschutzbemühungen zum Erhalt des Gobibären
- Dr.
Mijddorj (Gobi-SPA): Vorstellung des Managementsplanes des Naturschutzgebietes
sowie die Vorstellungen der Schutzgebietsverwaltung zum Gobibärschutz
Der zweite
Teil des Workshops sollte dann den rund 50 Teilnehmern Zeit geben in
Kleingruppen bestimmte Fragestellungen zum Gobibärschutz zu diskutieren und
dabei, die aus Ihrer Sicht vordringlichen Maßnahmen herauszuarbeiten. Die
Ergebnisse der Einzelgruppen wurden schließlich zusammengeführt und im Plenum
abschließend diskutiert. Von Mitarbeitern der Nationalen Universität wurden die
einzelnen Workshops moderiert und die Ergebnisse dokumentiert. Das komplette Workshopprogramm:
Etwa 30 km
von Bayantooroi entfernt hat eine mongolische Initiative einen anderen Weg zum
Erhalt des Gobibären eingeschlagen. Es wurde eine Zuchtanlage gebaut, die aus
engen Betonkäfigen bestehen und wo es gelingen soll den gefährdeten Gobibären
zu züchten. Dazu sollen wilde Bären gefangen werden und hierher verbracht
werden. Da nur wenig über die Biologie
der Art überhaupt bekannt ist, die Populationen sehr klein sind und deshalb die
Auswirkung von Wildfängen kaum vorhersehbar sind wird dieses Vorhaben von uns
strikt abgelehnt. Trotzdem wollten wir uns einen Überblick über die bisherigen
Maßnahmen vor Ort machen. Neben der sogenannten Zuchtanlage, die in keinster
Weise einer artgerechten Haltung Rechnung tragen kann, sofern es so etwas für
den Gobibären überhaupt gibt, wurde ein für mongolische Verhältnisse sehr
komfortables Gebäude errichtet. Dieses Gebäude soll angeblich als Stützpunkt
für Forscher dienen, jedoch deutet alles darauf hin, dass hier Unterkünfte
vorgesehen sind.
Eine
ähnliche Anlage konnten wir dann in Betrieb besichtigen. In einem Zaun werden
hier Wildkamele (auch Wildfänge) gehalten. Derzeit befinden sich ein Hengst und
ein Jungtier im Gehege. Das Jungtier war in keinem besonders guten Zustand.
Ein
Jammer so etwas mit ansehen zu müssen.
Wir haben
in allen Gesprächen deutlich gemacht, dass es sich bei unserem Projekt um den
Schutz des Gobibären in seinem Lebensraum handelt und wir strikt jede
Verbindung mit diesen uns vorgestellten Vorhaben ablehnen. Dies wurde auch nach
dem Workshop in einem Gespräch im Mongolischen Umweltministerium nochmals
betont.